Iran Blog

Skitouren-, Kletter- und Kulturreise

Dieter, Udo, Ralf, Wolfgang, Gerd, Tilmann, Uli, Reiner, Franz, Jo und Armin bei Detlev im Iran on tour vom 9.-23. April 2017:

Am Sonntag kommen wir nachts um 1.30 Uhr an der Unterkunft an. Nach kurzer Nacht gehen wir auf die erste Skitour im Iran. Unser Ziel: Sakheno ca. 3840m.

Bei sehr stürmisches Wetter kämpfen wir uns über eine Steilflanke auf das Gipfelplateau. Kurz unterhalb des Gipfels ist für die meisten das Ziel erreicht!

Die Abfahrt ist oben windgepresst und unten iranisch butterweich. Gerade rechtzeitig vor dem Regen steigen wir in unseren Bus und fahren durch ein einsames Tal zurück zur Unterkunft.

Dienstag:

Nach dem Frühstück um 6:00 Geht es nach Dizin. Nach 5 Minuten Ski-Tragen erreichen wir ein Bachbett und können die Ski schon anschnallen. Wir folgen dem V-förmgen Tal bis auf 3200m, ca. 8km Länge. Nun geht es über Kuppen, Flanken und Grate nach oben. Unser Akklimatisazionsziel heute heisst Kolun Bastak. ca 4150m hoch. Ein steiler Aufschwung muss mit den Ski auf dem Rücken überwunden werden. Nachdem alle den Gipfel erreicht haben, fahren wir auf der Südseite ab. Eine spannende Abfahrt führt uns in einen mega Hang, der perfekt aufgefirnt ist. Unten muss noch eine Engstelle kletternd überwunden werden, bevor wir alle glücklich in Dizin ankommen.

Mittwoch:

Es regnet in Dizin. Genau richtig für einen Standortwechsel. Wir fahren über Teheran nach Lasem. In Teheran halten wir kurz und besichtigen einen Park mit tollet Sicht in die Stadt. Abends gehen wir ins Damavand-Bergsteigerzentrum und holen und die neusten Informationen zum Aufstieg. Die Prognosen für den Damavand sind sehr schlecht und wir müssen unsere Pläne ändern. Wenn wir eine Chance auf den Gipfel haben wollen, dann müssen wir das kurze Zeitfenster in den nächsten zwei Tagen nutzen und das Akklimatisationsprogramm streichen.

In Lazem angekommen legen wir bei einem leckeren Kebap die Strategie für die nächsten Tage zurecht.

Donnerstag:

Wir teilen uns auf in zwei Gruppen: wegen der fehlenden Akklimatisation geht ein Teil in der wunderschönen Bergkette bei Lazem auf Skitour, neun Aspiraten machen sich auf den Weg zum Damavand. Zunächst kaufen wir ein Permit und lassen uns mit Jeeps so hoch bringen wir es geht. Auf 2600 versperrt Schnee die ruppige Schotterpiste und wir laden das Gepäck aus. Weiter geht es mit den Ski mit nur wenigen Tragepassagen hoch zur Hütte auf 4200m. Am späten Mittag steigen wir auf 4550m auf. Der Gipfel ist mittlerweile in Wolke und der Wind wird immer stärker. Zurück auf der Hütte kocht Detlev für uns Spaghetti.

Die Hütte ist unbeheizt, wir sitzen mit Skistiefel und Daunenjacke beim Essen.

Wir gehen früh ins Lager, um noch ein paar Stunden zu Ruhen, bevor es los geht.

Freitag:

Um 3.00 Ihr klingelt der Wecker, wir starten in zwei Gruppen mit ca. 1 Stunde Abstand nach einem kurzen Frühstück. Bei Dunkelheit steigen wir mit ca. 80 weiteren Bergsteigern die steilen Flanken nach oben. Der Wind wird mit zunehmender Höhe immer stärker und die Temperaturen gehen in den Keller. Ab 5100m wird die Sicht sehr schlecht und wir bewegen uns in einer stürmischen Eiswolke langsam nach oben. Die dünne Luft, der eisige Sturm und die kurze Akklimatisation fordert alles von uns.

Detlef und Franz erreichen den Gipfel. Der Sturm wird immer stärker und bläst selbst Udo samt Rucksack um. Die anderen drehen mehr oder weniger kurz unter dem Gipfel um. Bei 10m Sicht konzentrieren wir uns bei der Abfahrt auf die Spuren vor uns und mit jedem Meter wird die Sicht besser. Der Schnee lässt sich sehr gut fahren und wir sind zügig wieder an der Hütte. Nach einer kurzen Ruhephase machen wir uns an die finale Abfahrt. Der Schnee ist schon tief aufgefirnt und wir surfen mit nur wenigen Tragepassagen zum Jeep auf 2600m.

Zurück in Lazem feiern wir das Wiedersehen mit den anderen bei einem leckeren Abendessen und natürlich mit Tee.

Samstag:

Heute ist relaxen angesagt. Nach einem späten Frühstück bummeln wir durch Lazem. Wir erklimmen noch einen Hügel in der Umgebung und sehen den Damavand in einer großen Wolke eingehüllt und unten Lazem mit seinen bunten Blechdächern. Nach einer leckeren Suppe fahren wir nach Teheran und beziehen für die nächsten Tage ein Hotel in der Stadtmitte.

 

Sonntag:

Wir teilen uns auf und erkunden auf eigene Faust Teheran. Franz und Wolfgang machen zusammen mit Detlev und Katrin eine wunderschöne Gebirgstour im Norden von Teheran.

Abends treffen Brigitte, Ede und Thomas ein und wir gehen gemeinsam zum Abendessen.

Montag:

Heute ist unser letzter gemeinsamer Tag und wir machen zusammen eine Stadtrundfahrt mit dem Bus.

Nach dem Nationalmuseum uns Schah-Palästen besuchennwir den 435m hohen Milad  Tower. Wir haben eine atemberaubende Sicht auf die Stadt. Letztes Highlight der Tour ist der Azadi Tower, das Wahrzeichen von Teheran.  Unterwegs verabschieden wir uns von Gruppe 3, die den Nachtzug nach Yazd erreichen muss.

Dienstag Gruppe 3:

Detlev und Ali holen uns um 5 Uhr ab und wir fahren zum Klettern nach Kermansha.

In Hamadan gehen wie bei einem geschäftstüchtigen Iraner frühstücken.

Im Anschluss geht es weiter nach Bisotun. Schon von weitem erkennen wir die riesige Wand, die sich dort auftürmt.

Die gesamte Fahrt dauert ca. 6 Stunden. In Bisotun angekommen beziehen wir Quartier und betrachten ehrfürchtig die 5km breite und 1200m hohe Felsmauer. Am späten Nachmittag steigen wir zum Wandfuss auf, wo sich ein Klettergarten befindet. Der Fels ist rauher als alles, was wir bisher gesehen haben.  Wir klettern bis zum Sonnenuntergang und erreichen bei Dunkelheit wieder unsere Unterkunft. Wir lassen den Abend bei Kebap in 0.0% Efes ausklingen.

Mittwoch Gruppe 3:

Heute steht die erste Mehrseillängentour  auf dem Programm. Nach dem langen Tag gestern machen wir ein gemütliches Frühstück und gehen erst gehen 10.30 Uhr Richtung Wand los.

Oghabha (Adler), 6a+,  hat 7 Seilängen und zieht entlang einem Pfeiler nach oben. Der Einstieg befindet sich mehr als 500hm über unseren Basecamp. Nach ca. einer Stunde ziehen wir die  Kletterschuhe an und haben noch ca. 80 m 3er Gelände bis zum Einstieg vor uns. Der Wind pfeift kräftig um die Kante und wir denken an den Damavand zurück. Die erste Seilänge führt schon um die Kante und wir klettern zügig die 7 Seillängen nach oben. Oben angekommen geniessen wir den Ausblick vom Kopf des Pfeilers. Nach einem Geburtstagsständchen seilen wir über die Route ab. Der seilfreie Abstieg im 2er-3er Gelände zehrt an Ali's Nerven  und wir geniessen vor dem Abstieg noch die tolle Abendstimmung in Bisotun.

Abends fahren wir nach Kermansha und treffen Masud, einen weiteren Kletterfreund von Detlev und gehen gemeinsam Essen.

Donnerstag Gruppe 3:

Heute ist der große Tag: Die Gharargha direct steht auf dem Programm. Die beiden widersprüchlichen Topos beschreiben 11 bzw. 14 Seillängen und das Abseilen über eine Schlucht. Voller Spannung machen wir uns auf den Weg zum Einstieg, den wir um 8.30 erreichen. Vier Iraner machen sich gerade mit vollem Gepäck (Biwakausrüstung usw.) startklar. Ali verhandelt kurz und die Iraner lassen unsere 3 Seilschaften vorsteigen. Zu Beginn ist die Kletterei sehr kurzweilig und wir gewinnen schnell an Höhe. Bald ist von den Iranern nichts mehr zu sehen. Der Fels ist auf der gesamten Tour mega-rauh und die Figerkuppen werden stark beansprucht. Nach 11 Seillängen war das Ziel, eine Biwakschachtel noch lange nicht erreicht. Im oberen Teil kommen nochmal 3 wunderschöne Seillängen in schlussendlich erreichen wir nach 21 Seillängen und knapp 7 Stunden das Biwak. Abseilen durch die Schlucht? Eine weitere Seillängen führt mit einem sehr ausgesetzten Querung hinein in die Schlucht. Da dort keine Abseilstelle zu finden ist, klettern wir zurück zum Biwak und seilen von dort in die Schlucht ab und stoßen gleich auf die Abseilpiste. Nach 14 mal Abseilen in einem grossartigen Ambiente erreichen wir gegen 19.00Uhr wieder den Wandfuss. Wir freuen uns riesig über die gelungene Aktion. Ali erzählt, dass sein Freund drei Tage in der Wand verbracht hat und dass eigentlich kein Iranern diese Tour an einem Tag durchzieht. Bei einem leckeren Abendessen und 0,0% Efes lassen wir den tollen Tag ausklingen.

Freitag, Gruppe 3:

Heute besichtigen wir die Darius-Reliefs von Bisotun. Unvorstellbar, aber in dem UNESCO-Weltkulturerbe sind Bohrhaken angebracht. Die Stätte befindet sich unweit von unserer Unterkunft und liegt sehr eindrucksvoll an einer Quelle. Danach gehen wir noch in eine zerfallene Karawanserei und zu einer weiteren Karawanserei, die mittlerweile zu einem 5Sterne-Hotel ausgebaut ist und trinken Tee.

Nachmittags fahren wir in den Citypark nach Kermansha zum klettern. Wir treffen Masud, Masihund Masih bringen uns in ein Kebaprestaurant und wir bekommen das beste Brot und den besten Kebap der gesamten Reise.

 

Samstag Gruppe 3:

Wir packen unser Kletterzeug zusammen in starten nach einem ausgedehnten Frühstück in Richtung Teheran. Wir fahren übers Hinterland und kommen noch an interessanten Klettergebieten bei Chesmeh Sohrab vorbei. Eine Piste führt dort fast bis an den Wandfuss. Die Touren beginnen ab 6a. Die Zeit reicht jedoch nicht, da wir noch eine der riesigen iranischen Höhlen besuchen wollen. Der Strasse dorthin führt über einsame Lehmdörfer, ab und zu sind Hütten zu sehen. An einem Dorffriedhof endet die Straße und eine rauhe ausgewaschene Piste führt uns über den nächsten Bergrücken. Nach einer spannenden Fahrt erreichen wir die Asadr Höhle. Rund um die Höhle ist alles jahrmarktähnlich ausgebaut. Wir sind fast die einzigen Besucher und steigen hinab in die Unterwelt Irans. Im Inneren erwartet uns ein Tretboot, mit dem Franz uns durch die engen Gänge pedaliert. Die Höhle ist ca. 11km lang und beeindruckt mit besonderen Tropfsteinformationen. Zu Fuss und per Boot erkunden wir die bestens ausgeleuchtete Höhle. Gegen 16.30 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg nach Teheran, wo wir gegen 21.30 Uhr mit unseren Freunden der Gruppe 3 bei Chicken-Kebap ein Wiedersehen feiern. Die Nacht wird kurz, wir verabsch. ieden uns um 0.30 Uhr von Detlev und um 3.30 klingelt der Wecker, um 4 kommen die Taxis die uns zum Flughafen bringen. Wir kratzen die letzten Rial zusammen um die Rechnung zu begleichen. Der Check in mit dem Sperrgepäck verläuft unproblematisch und wir sitzen nach langer Wartezeit erst nach 7.00 Uhr im Flieger.

Mit dem Flug geht ein abenteuerlicher Urlaub zuwende, der bei uns unglaublich viele Eindrücke von einem fremden Land vermittelt hat. Besonders in Erinnerung bleibt die Freundlichkeit der Iraner, die sehr hilfsbereit und gastfreundlich waren.

Ein besonderer Dank geht an unseren " Local" Detlev, der vor Ort alles organisiert hat und mit seinen Farsi-Kenntnissen und den Kenntnissen der iranischen Gepflogenheiten zu dieser gelungenen Reise beigetragen hat.

"Eiger zum Mitnehmen"

Jan Schneider und Timo Klein waren an der Eiger Nordwand erfolgreich

Die Eiger Nordwand gehört sicherlich zu den bekanntesten Wänden der Welt und ist für viele Kletterer und Alpinisten ein „must have“. Das stabile Wetter im Dezember sorgte für sehr gute Voraussetzungen für eine Begehung am 4. Adventswochenende. Also schnell ein paar Anrufe getätigt, die Bedingungen abgeklärt und los ging es. Am Freitag fuhren wir entspannt nach Grindelwald und mit der Bahn bis zur Station Eigergletscher. Von dort aus war es nicht mehr weit zum Wandfuß, wo wir uns einen gemütlichen Biwakplatz einrichteten.

Am nächsten Morgen standen wir nach einem schnellen Frühstück schon um 5:30Uhr am Einstieg. Zuerst stiegen wir seilfrei auf, bis es am schwierigen Riss richtig losgeht. Hier seilten wir an und machten uns mit dem ersten Tageslicht an die Arbeit. 

Dank einer guten Spur kamen wir gut voran und erreichten kurz darauf den berühmt-berüchtigten Hinterstoißer Quergang. Dieser war dank einem Fixseil kein größeres Problem. Kurz vor dem Eisschlauch liefen wir schon auf die erste Seilschaft auf. Da der Eisschlauch so gut wie nicht mehr vorhanden war, zitterten wir uns über dünne Eisnester hinauf ins zweite Eisfeld. Weiter ging es zum Bügeleisen, über welches wir schließlich zum Todesbiwak gelangten.

Am Todesbiwak angekommen waren wir beide bereits etwas angezählt und legten daher eine kurze Trinkpause ein und gönnten uns einen Riegel. Da es zu dieser Jahreszeit bereits um 17 Uhr dunkel wird, wollten wir noch etwas weiterkommen und machten uns auf in die Rampe.

Am späten Nachmittag erreichten wir schließlich den Wasserfallkamin. Da dieser seinem Namen nicht wirklich gerecht wurde, da er komplett trocken war, schrubbten wir uns mit dem letzten Licht hinauf. Am oberen Ende gruben wir eine kleine Stufe aus dem Schnee, um uns dort ein Sitzbiwak einzurichten. Schnell etwas Wasser geschmolzen und etwas gegessen und ab in die Schlafsäcke. Ich fror die ganze Nacht und hatte am nächsten Morgen einmal mehr erste Erfrierungsanzeichen. Timo hingegen war es nicht ganz so kalt und daher stieg er die erste Länge um kurz nach 6 Uhr vor. Über das brüchige Band und den brüchigen Riss gelangten wir zum Götterquergang. Hier wartet noch einmal eine sehr ausgesetzte Querung hinüber in die Spinne. Die einstmals „Weise“ Spinne ist ein dreckiger schwarzer Eisrest und ihre Eisarme sind kaum noch vorhanden, wodurch der Weg zum Quarzriss wieder einmal eine etwas „kratzige“ Angelegenheit war.

Am Quarzriss angekommen verlangte uns die letzte Schlüsselstelle der Wand nochmal alles ab. Da sich die Seilschaften vor uns in den Ausstiegsrissen stauten, mussten wir etwas warten, um das Risiko von Steinschlag zu minimieren. Gegen 15:30 Uhr erreichten wir das Gipfeleisfeld, die Waden brannten unerbittlich, doch mit dem Gipfel in Sichtweite waren diese Schmerzen schnell vergessen und um 16 Uhr war es endlich soweit: wir erreichten den Gipfel des Eiger 3970m über die Heckmaier Route (1800m Wandhöhe, 3800 Kletterlänge, ED, V, A0, 70°). Glücklich genossen wir den kurzen Gipfelmoment, da jedoch die Dämmerung bald nahte, machten wir uns schon kurze Zeit später an den teils heiklen Abstieg über die Westflanke. Nach zwei Tagen in der Wand waren diese 1800m Abstieg jedoch nicht ganz ohne und dieser Abstieg wollte einfach nicht enden. Unzählige Querungen unter Seracs hindurch und viele Abkletterstellen brachten uns schließlich zurück zur Station Eigergletscher.

Nach 34h in der Wand und 4,5h Abstieg waren wir am Ziel nicht mehr ganz so frisch. Wie es der Zufall wollte, trafen wir im Abstieg den Betriebsleiter der Bahn, der uns noch auf einen Getränk einlud und wir durften in der Station schlafen.

Am Montagmorgen fuhren wir dann mit der Bahn zurück nach Grindelwald und wieder zurück nach Hause.

Jan Schneider und Timo Klein

Kletterreise Iran

Im Spannungsfeld zwischen Glaube und Moderne

Anfang des Jahres kamen wir auf die abstruse Idee, zum Klettern in den Iran zu fahren. Die erste Überlegung entstand, als Luis einen Artikel im Magazin „Klettern“ las. Zu Anfang war die Begeisterung bei Johannes, Timon und Niko eher verhalten, doch nach einiger Zeit waren alle mit viel Elan dabei.

Die Planung der Reise beschränkte sich auf das Buchen der Flüge und den Kontakt zu einem Freund, der in Teheran lebt und klettert.

Wir starteten Anfang September von München über Kiew nach Teheran. Bei der Beantragung der Visa erkannten wie schnell, das der Begriff „Hektik“ im Iran eine andere Bedeutung hat. So hatten wir „schon“ nach 2 Stunden unser Visa und konnten endlich mit dem Taxi zu unserem Freund. 

Nach nur 3 Stunden Schlaf und ohne Frühstück ging es 1,5 Stunden zu Fuß raus aus der Stadt zu unserem ersten Kletter-Spot. Dieser liegt nördlich Teherans in einem Hochtal und erstreckt sich über circa einen Kilometer. Wie so oft im Iran, gibt es über diesen Kletter-Spot keinen Führer und man ist auf die Ortskenntnis einheimischer Kletterer angewiesen. Mit Detlef hatten wir hier einen super Guide an der Hand, der uns nicht nur die Felsen zeigte, sondern auch in die Kultur und Verhaltensregeln einwieß. Wir merkten aber schnell, dass die eigentlich sehr strengen islamischen Regeln oft sehr locker ausgelegt werden und speziell in der Natur und am Fels ihre Bedeutung verlieren. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass sich viele junge Menschen in die Natur begeben, um sich kennen zu lernen. 

Am zweiten Morgen machten wir uns weiter mit der Stadt und dem Land vertraut und verabredeten uns abends zum Klettern in der Universität von Teheran. Hier machte uns Detlef mit dem iranischen Nationaltrainer Artimes bekannt, der uns Kontakte in Isfahan und Kermanscha vermittelte. 

Die nächsten zwei Tage waren wir zum Klettern im kompakten Sandstein von Polechab. Ein sehr lohnender Spot mit vielen Routen, über die es sogar einen Führer gibt, der in der DAV-Geschäftsstelle ausgeliehen werden kann. 

Tags darauf fuhren wir mit dem Bus nach Isfahan, wo der Freund von Artimes leider verhindert war. Kurzerhand wurde für uns eine anderere Kontaktperson organisiert, dessen Freund uns dann schlussendlich abholte. Überrascht von der Gastfreundschaft konnten wir das Übernachtungsangebot nicht ausschlagen. 

Am nächsten Tag lernten wir die ganze Kletterclique kennen und erkundeten mit ihnen die tausende Jahre alte Kultur Isfahans mit ihren bunten und belebten Märkten, riesigen Plätzen und beeindruckenden Moscheen. 

Aber natürlich waren wir zum Klettern da! Und so kamen wir zum „White Mountain“. Dieser korallenartige Kalkpilz sitzt auf einem Hügel am Rande der Stadt und bietet großgriffige Dachkletterei vom Feinsten. Dort lernten wir auch die Methode des „iranischen Abbauens“ kennen. Hierbei wird die Route beim Abklettern abgebaut, völlig unabhängig vom Schwierigkeitsgrad. 

Begeistert von den bis hier her gewonnenen Eindrücken und eigentlich gesättigt vom Klettern, reisten wir auf Empfehlung aller Kletterer Richtung irakische Grenze in die Stadt Kermansha. Hier tauchten wir nochmals tiefer in die iranische Lebensweise ein. So saßen wir abends bei Puia – einem iranischen Kletterer und Freund - und dessen Freunden bei einer traditionellen Wasserpfeife und wurden von Puias Vater mit allerlei Köstlichkeiten versorgt. Es entstanden sehr interessante Gespräche über Politik und Gesellschaft, bei denen wir bemerkten, dass die Bevölkerung im Iran durchaus kritisch, aber auch zwiegespalten zu ihrer Führung steht. 

Wie üblich im Iran lernten wir als Fremde nur die männlichen Familienmitglieder kennen. 

Ali, der Autor des Kletterführers von Kermanscha, zeigte uns die wunderschönen und scharfkantigen Klettermöglichkeiten in dieser Stadt. Aufgrund unserer begrenzten Zeit bekletterten wir nur einen kleinen Teil der Felsen um Kermanscha, was jedoch ausreichte, um feststellen zu können, dass hier gigantisches Potential zum Klettern vorhanden ist. 

Leider war unser Urlaub auf zwei Wochen begrenzt, und so flogen wir schweren Herzens zurück nach Teheran und wenig später wieder in die Heimat. 

Auf unserer Reise haben wir viele neue Freunde gewonnen, tolle Kultur erlebt und wunderschöne Kletterei konsumiert. Die Vorbehalte gegenüber einer Iranreise können wir auf keine Weise bestätigen. Der Iran ist ein offenes, gastfreundliches und sicheres Kletterparadies. Wer sich im 7. Klettergrad wohlfühlt, findet hier zu jeder Jahreszeit unendliche Möglichkeiten. 

Für Interessierte gibt es in der DAV-Geschäftsstelle zwei Kletterführer, und gerne vermitteln wir Kontakte und geben weitere Infos. 

Luis Rieger, Johannes Kopper, Timon Jahn, Nikolai Lang